Im Alter eigene Fähigkeiten steigern, geht das?

Sie hat mich überrascht und deshalb freue ich mich, diese neue Studie hier vorzustellen und vielleicht auch deine Gedanken zum Alt-Werden zu verändern. Eine aktuell von der Yale-University veröffentlichte Studie im Fachmagazin Geriatrics stellt die gängige Sichtweise auf das Altern grundlegend in Frage.

Hier ist die wichtigste Erkenntnis: Fast die Hälfte der älteren Erwachsenen in der Studie hat im Laufe von bis zu 12 Jahren eine Verbesserung ihrer Hirnfunktion und/oder ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit erfahren.

Nicht „ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich langsamer“ und nicht „er blieb stabil, je älter sie wurden!“ Er BESSERTE SICH!

Das staunst Du, oder? Ich zumindest habe es mit Erstaunen gelesen.

Die Geschichten, die wir uns über das Altern erzählen, werden zur Realität

Unsere Gedanken prägen unsere Realität. Das kennen wir aus unserem Leben in vielen anderen Situationen und es ist auch im Prozess des Alterns so: Wir wurden von Kindesbeinen an, von jeder Versicherungswerbung, von jedem gut gemeinten Arztbesuch, mit einer einzigen Geschichte über das Altern konfrontiert. Dass es nur in eine Richtung geht – abwärts, allmählich und unweigerlich, und das für alle.

Diese Geschichte hat uns ein ganzes Leben lang geprägt. Aber es gibt eine andere Geschichte, für die wir uns allerdings aktiv entscheiden müssen. Aber das Gute an der neuen Geschichte ist jetzt, sie ist wissenschaftlich belegt!

Die Forscher der Yale-Universität unter der Leitung von Dr. Becca Levy untersuchten über 11 000 Personen im Alter von 65 Jahren und älter über einen Zeitraum von bis zu 12 Jahren. Als sie die Ergebnisse aller Teilnehmer zusammenfassten, wie es bei den meisten Studien zum Thema Altern üblich ist, zeigte sich das erwartete Ergebnis: Abnahme. Die kognitiven Werte sanken und die Gehgeschwindigkeit verlangsamte sich.

Doch dann machten sie etwas anderes. Anstatt die Durchschnittswerte der Gruppen zu betrachten, betrachteten sie die individuellen Verläufe. Und hier wurde es interessant.

Bei fast 45 % der Teilnehmer verbesserten sich die kognitiven und physischen Werte oder beides. Bei etwa 32 % verbesserten sich die Hirnwerte. Bei etwa 28 % der Teilnehmer war die Gehgeschwindigkeit am Ende der Studie höher als zu Beginn.

Was war also der Grund für diese Unterschiede?

Hier kommt der Teil, der Sie entweder zum Nicken und Lächeln oder zum Unbehagen veranlassen wird.

Die Forscher untersuchten, ob die Überzeugungen der Teilnehmer über das Altern – die Annahmen, die sie in die Studie einbrachten – die tatsächliche Entwicklung ihrer Gesundheit im Laufe des folgenden Jahrzehnts vorhersagten.

Und das taten sie! Und zwar signifikant.

Menschen, die eine positivere Einstellung zum Altern hatten, zeigten messbare Verbesserungen sowohl in der Gehirnfunktion als auch in der Gehgeschwindigkeit, selbst wenn man Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, chronische Krankheiten und Depressionen berücksichtigt.

Ihre Einstellung zum Altern scheint sich biologisch auf die Reaktionen des Körpers auszuwirken. Es geht nicht nur um eine Stimmung oder Einstellung. Es geht um etwas, das tatsächlich die Vorgänge im Körper über die Zeit beeinflusst.

Dr. Levy hat dafür einen Begriff geprägt: „Stereotyp-Embodiment-Theorie“. Also die Idee, dass wir seit unserer Jugend Botschaften über das Altern aufnehmen. Mit der Zeit werden diese Botschaften nicht mehr abstrakt, sondern sehr persönlich. Sie gehen von der Beschreibung anderer Menschen zur Beschreibung der eigenen Person über. Und dann beginnen sie, sich im Körper zu manifestieren.

Ihre früheren Forschungen haben gezeigt, dass negative Einstellungen zum Altern mit schlechteren Gedächtnisleistungen, langsamerem Gehen, höherem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Hirnmerkmalen, die mit Alzheimer in Zusammenhang stehen, einhergehen. Diese neue Studie zeigt nun die andere Seite der Medaille: Positive Einstellungen zum Altern führen zu Verbesserungen.

Ich finde das extrem spannend.

Dabei wurden in der Studie nicht nur Menschen untersucht, die Probleme hatten und sich erholten. Sie haben auch eine separate Analyse bei Menschen durchgeführt, die zu Beginn der Studie eine normale kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit aufwiesen – also bei Menschen, die bereits in guter Verfassung waren.

In dieser Gruppe verbesserten sich etwa 28 % der Teilnehmer im Laufe der Zeit in Bezug auf ihre Hirnleistung. Bei etwa 23 % verbesserte sich die Gehgeschwindigkeit.

Es handelte sich nicht um eine Genesung von einer Krankheit. Es handelte sich um Menschen, die bereits gesund waren und deren Gesundheitszustand sich mit zunehmendem Alter trotzdem noch verbesserte.

In der Studie wird dies „Reserve-Kapazität“ genannt und bestätigt damit die neue These, dass das Alter mehr Wachstumspotenzial birgt, als unsere Kultur bisher angenommen hat.

Was glauben du also wirklich über das Altern allgemein und über deinen eigenen anstehenden Alterungsprozess?

Ich frage das wirklich ernsthaft, denn ich möchte, dass du dir einen Moment Zeit nimmst und darüber nachdenkst.

Wenn du die gängige kulturelle Erzählung verinnerlicht hast (der Abbau ist unvermeidlich, der Körper verfällt, das Gehirn wird schwächer, die besten Jahre des Lebens sind vorbei), dann könnte diese Erzählung dir tatsächlich schaden. Und das nicht nur in Bezug auf deine Stimmung oder deine Motivation, sondern möglicherweise auch auf deine tatsächliche Gesundheitsentwicklung.

Die gute Nachricht aus dieser Studie ist die Wandelbarkeit. Du hast die Möglichkeit, deine Vorstellungen und Überzeugungen über den Alterungsprozess zu verändern. Du kannst es ändern und die Auswirkungen sind nachgewiesen. Aber wie könnte das konkret aussehen?

Hier ein paar Anregungen:

  • Wenn du die innere Stimme bemerkst, die sagt: „Na gut, in meinem Alter …“ frage dich, ob das wirklich stimmt.
  • Suche bewusst Menschen, die in ihren 60ern, 70ern oder 80ern nicht nur überleben, sondern gedeihen und sich auf der einen oder anderen Ebene weiterentwickeln.
  • Wehre dich oder hinterfrage es deutlich, wenn die kulturelle Erzählung um dich herum, dich mit dem bevorstehenden Abbau konfrontiert.

Wie immer ist es auch eine Gratwanderung, die wir da gehen. Denn es geht nicht darum, eine toxische Positivität zu verbreiten oder zu behaupten, dass die Herausforderungen des Alterns nicht existieren. Sie existieren – das Altern ist real. Die Forschung zeigt jedoch, dass der Weg ins Alter weniger vorbestimmt ist, als wir glauben – und dass unsere Erwartungen an das Leben einen messbaren Einfluss darauf haben, was wir erleben.

Vielleicht bis du ja schon auf dem richtigen Weg, wenn du glaubst, dass du einen fantastischen Ruhestand haben wirst.

Die konkrete Aufgabe: Überlege, welche Geschichten du dir in letzter Zeit über das Altern und über deine Zukunft erzählt hast. Waren dabei Geschichten, die dir möglicherweise nicht wirklich helfen werden? Vielleicht ist es an der Zeit, sie umzuschreiben. Denn eine andere Realität ist auch möglich. Und durch Yale nachgewiesen.

Quelle: Levy, B.R. & Slade, M.D. (2026). “Aging Redefined: Cognitive and Physical Improvement with Positive Age Beliefs.” Geriatrics, 11(2), 28.

Sich vergleichen, kann höchst anstrengend sein

OLYMPUS DIGITAL CAMERAvon Gisela Enders

Ich möchte mich  – analog zum Spruch „Don´t believe everything you think“ – stark machen, für die Überprüfung der eigenen Gedanken.  Heute geht es  mir um Vergleiche. Ich meine jetzt nicht das vergleichen von Preisen im Supermarkt. Sondern es geht mir um den Vergleich zwischen Lebensstilen, zwischen Mengen von Geld und Statussymbolen sowie natürlich allgemein im Job und vielleicht auch im Privatleben. Vergleiche finden in der Regel in zwei Richtungen statt. Ich vergleiche mich mit Menschen, die irgendwas weniger haben als ich. Und bin – meist aber nur einen kurzen Augenblick – froh. Vielleicht sogar manchmal verbunden mit einem schlechten Gewissen.„Sich vergleichen, kann höchst anstrengend sein“ weiterlesen

Der zweite Weltkrieg und die Auswirkungen heute

von Gisela Enders

Er ist schon über 60 Jahre her. Alle Coachees, die zu mir kommen, haben den zweiten Weltkrieg nicht erlebt, ich auch nicht. Zu mir kommen Menschen, die alle etwa zwischen 1960 und 1990 geboren sind. Kriegsenkel und zum Teil schon Urenkel. Dennoch spielt der zweite Weltkrieg auch heute noch eine Rolle, für manche eine zentrale.

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Leben in Balance

von Gisela Enders

Work-Life-Balance ist ein gängiges Thema, wenn Menschen bei mir ins Coaching kommen. Grundsätzlich habe ich mit dem Begriff ein Problem, denn ich finde, auch die Arbeit gehört CIMG5479zum Leben dazu, ist also kein Gegensatz. Dennoch ist das Thema Balance im Leben halten, für viel ein großes Thema. Ein Thema übrigens, welches sich wohl nie endgültig lösen lässt. Unsere Lebens-Balance pendelt immer um unsere unterschiedlichen Aufgaben, mal sind wir in einem Bereich mehr gefordert, mal im Anderen. Um dabei nicht unzufrieden oder gar krank zu werden, ist es hilfreich, von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob die Balance der verschiedenen Lebensaufgaben gerade noch in einem passenden Verhältnis steht, oder ob etwas die Überhand bekommen hat.

Möglichst stimmig fühlt sich unser Leben an, wenn alle verschiedenen Aufgaben und die damit verbundenen privaten und beruflichen Rollen (Vater, Mutter, Freund … Führungskraft, Verkäufer, Projektleiterin…) in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen.

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Wie Disney gute Ideen entwickelt hat

Wir kennen sie alle, die guten alten Disneyfilme. Um auf solche fantastischen Ideen zu kommen, hat Disney eine Arbeitsweise erfunden, die heute als „Disney Strategie“ bekannt ist. Ich setze sie häufig im Coaching ein, aber sie lässt sich auch gut alleine oder im Team umsetzen.

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„Können Sie den davon leben?“

von Gisela Enders

In meiner Arbeit mit Gründern wird mir immer wieder berichtet, dass sie mit der
Frage „Und, können Sie denn davon leben?“ konfrontiert werden, die sie als sehr abschCIMG6375ätzig bewerten.Ich kann mich selbst noch an den Beginn meiner Selbständigkeit gut erinnern und daran, wie die Frage mich zu Beginn getroffen hat. Damit dies möglichst wenigen passiert, will ich meine Gedanken zu dieser Frage gerne ein wenig ausführen.„„Können Sie den davon leben?““ weiterlesen

2015 war ein super Jahr

von Gisela Enders

Hat sie sich verschrieben? Es geht doch erst 2012 zuende. Und bis dahin ist auch noch ein bisschen Zeit hin. Für mich war und ist 2012 ein sehr gutes Jahr. Sehr beeindruckt hat mich dabei ein Text, den ich Ende 2009 im Rahmen einer Coachingausbildung gescSeglerhrieben habe und der mir neulich wieder in die Hände gefallen ist. “Wo will ich 2012 stehen?” Diesen drei Jahre später zu lesen und zu realisieren, wieviele Dinge eingetreten sind, fasziniert mich. Deshalb und weil ich es auch in der Arbeit mit meinen Klienten und im Gespräch mit Kollegen immer wieder als sehr kraftvolle Übung erlebe, lade ich Sie heute ein, zu überlegen, warum 2015 so ein super Jahr für Sie war.„2015 war ein super Jahr“ weiterlesen